
Als junge Walliser Grafik- und Tattookünstlerin einerseits und Wachtmeister im Richtstrahlbataillon 16 anderseits sprengt Soraya Poulin allerlei Klischees. Zwischen künstlerischem Schaffen und Militärdienst geht sie ihren unkonventionellen Weg. Was sie dabei antreibt, ist die Freude an Herausforderungen und der Wille, über sich hinauszuwachsen. Die Kompetenzen, die sie sich im Militärdienst angeeignet hat, setzt sie heute auch ein, um junge Frauen zu informieren und sie zu ermutigen, ebenfalls Dienst zu leisten.
Soraya Poulin ist eine junge, talentierte Kunstschaffende mit Abschluss in Grafikdesign und Illustration. Die 29-jährige Walliserin hat sich als Artist in Residence einen Namen gemacht und manche ihrer Werke auch ausgestellt. Zunächst prädestiniert sie nichts dazu, die Uniform zu tragen. Und dennoch ist die junge Frau neben ihren künstlerischen Tätigkeiten auch Wachtmeister im Richtstrahlbataillon 16 der Schweizer Armee.
Alles begann 2013, als sie an einem Orientierungstag der Armee teilnahm. Die Anwesenheit einer Frau in Uniform wurde für Soraya Poulin zu einem Aha-Erlebnis: «Frauen können ja auch Militärdienst leisten!» So kam es, dass sie sich vier Jahre später und mit der Matura in der Tasche zur Rekrutierung aufbieten liess und anschliessend die Rekrutenschule an der Richtstrahlschule 62 in Kloten (ZH) absolvierte. «Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, wenn man drin ist. Das Abenteuer mit so wenig Vorwissen zu wagen, war echt eine Herausforderung», sagt Soraya Poulin rückblickend.
Und dann entschloss sich die junge Künstlerin auch noch, weiterzumachen und Wachtmeister zu werden. In ihrer Funktion als Gruppenchefin entwickelte sie ihre Leadership-Kompetenzen. «Dieser Werdegang hat mir ermöglicht, mein Schneckenhaus zu verlassen und mehr Selbstvertrauen zu gewinnen», unterstreicht sie.
Dieses Jahr stösst Soraya Poulin als Presse- und Informationsoffizierin zur Kommunikationszelle des Richtstrahlbataillons 16. In dieser neuen Etappe ihrer militärischen Karriere kann sie ihre zivilen Kompetenzen als Grafikdesignerin einbringen. Es dürfte nicht ihre letzte Station sein: Die Walliserin kann sich vorstellen, in ein paar Jahren an einer Friedensmission im Ausland teilzunehmen.
Soraya Poulin ist der Meinung, dass Frauen in der Truppe eine positive Dynamik einbringen. «Man denkt anders, ist vielleicht ruhiger und regt zu anderen Überlegungen an.» Ausserdem hat ihr der Militärdienst viele Vorteile gebracht: mehr Selbstvertrauen, auch im Zivilleben nützliche Leadership-Kompetenzen und ein Beziehungsnetz.
Seit 2019 wirkt Soraya Poulin auch als Moderatorin an den Orientierungstagen im Kanton Wallis mit. Nun ist sie es, die junge Frauen mit Interesse am Militärdienst informiert. «Die Frauen haben oft Bedenken wegen des Sporttests oder des Tragens schwerer Lasten. Ich erkläre dann jeweils, dass es in der Armee Hunderte Funktionen gibt und es für jede und jeden eine hat, die passt.» Soraya Poulins Anliegen ist, «beizutragen, was man kann, und das in einer Funktion, für die man die nötigen Fähigkeiten hat, und zwar im Sinn eines Diensts an der Gesellschaft im weitesten Sinn.»